Samantha in Kenia

Bevor ich zu meinem eigentlichem Projektort Masogo in Kenya kam, habe ich erst einmal ein Workcamp in Ukwala gemacht. Wie ich später herausfand, war dieses Workcamp viel luxuriöser als mein späteres Leben. Wir hatten einen Koch, fließend Wasser und Strom. Nach einem Monat ließ ich dann die Workcamp-Gruppe in Nairobi hinter mir und fuhr sechs Stunden mit dem Bus nach Masogo. Dort ging es mit meinem ganzen Gepäck quer durch den Busch auf einem Motorrad zu meiner Gastfamilie. Das Grundstück war groß und unterteilt in verschiedene Lehmhütten: Küche, Wohnhaus und mein Lehmhäusschen. Auf dem Weg ins Dorf reihten sich viele Kinder an die Seiten auf und riefen: „Nzungu, how are u?“(Weiße, wie geht es dir?). Ein Satz, den ich ein Jahr lang mindestens zwei Mal am Tag zu hören bekam. Mit meiner Mitfreiwilligen teilte ich mir zwei Zimmer in unserem Lehmhaus, eins nutzen wir zum Schlafen, das andere zum Arbeiten und Sitzen. Wir hatten eine kleine Solaranlage, die uns in einem Zimmer Licht gab und die noch genug Strom gab, um unsere Handys aufzuladen. Unser Klo war so zehn Meter entfernt und ein Plumpsklo. Die Dusche ist einfach eine kleine Kammer draußen, und das Wasser zum Duschen wird vom Fluss geholt. Das füllt man dann in einen Bottich und duscht, meistens kalt. Ist aber gar nicht mal so schlecht bei den heißen Außentemperaturen. Die Kinder in der Gastfamilie sind alle sehr nett, können auch gut Englisch, und wir benahmen uns wie Geschwister miteinander. Als ich anfing, mit den Kindern zu reden, hielten sie sich die Nase zu und antworteten in einem näselnden Tonfall. Ich wusste nicht, was los ist, aber anscheinend denken sie, dass wir sie so besser verstehen würden, da wir ihrer Meinung nach genauso reden. Man hat sich daran gewöhnt. Meine Schule war nur fünf Minuten entfernt und ich musste öfters durch ganze Kuhherden wandern, um die Schule zu erreichen. Wenn es regnete, dann lief man barfuss oder halt mit Gummistiefeln, wenn man denn welche hatte. Auf dem Weg zur Schule begegneten mir immer viele alte Frauen, die auf dem Feld hackten oder Kühe zum Grasen brachten. Sie wollten immer mit der Weißen reden, aber da ich anfangs nicht gut Dholuo (die Sprache der Gegend) konnte und sie kein English, war es eher ein Reden mit Händen und Füssen, was von weitem bestimmt lustig aussah. Als ich dann die Sprache halbwegs beherrschte, waren die Leute so begeistert, dass manche sogar vor Freude in die Luft sprangen. Stolz war ich, aber dann ging ein Redeschwall auf mich los, und ich konnte leider nur noch mit einem Schulterzucken antworten. So gut war mein Luo dann doch nicht. Aber wenn man die Sprache ein wenig beherrscht, sind die Leute total glücklich und fühlen sich auch so, dass sich wirklich jemand für sie interessiert und nicht einfach nur da lebt. Während meiner elf Monate in Kenya hatte ich zwei Mal Malaria, es ging mir zwar nicht gut, doch als ich dann ins Krankenhaus kam, wurde mir sehr gut geholfen, da die Ärzte dort wirklich wissen, was sie in Bezug auf diese tropischen Krankheiten tun. Genauso Amöben. Ich weiß nicht, wo ich die immer wieder her hatte, doch es ist kein Drama, da die Ärzte sich mit diesen Krankheiten bestens auskennen.
Ich habe in einer öffentlichen Grundschule unterrichtet, und es war echt super. Ich durfte eine 4. und 5. Klasse in Kunst, Sport, Mathe und Physik unterrichten, außerdem war ich Klassenlehrerin. Der Stoff war nicht sehr schwer, doch teilweise konnten die Kinder kein bis sehr schlechtes Englisch. Da nützt es auch nichts, die lokale Sprache zu können, da man an den Schulen nur Englisch unterrichten darf. Aber mit kreativen Unterrichtseinheiten hat man diese Sprachbarriere ganz gut überwinden können. Der Unterricht fing immer um acht Uhr an und ging bis um sechs Uhr nachmittags. Die Lehrer sind sehr nett, und je besser man sie kennenlernt, desto interessanter wird es. Nachmittags stand meistens Sport auf dem Programm. Da hieß es auch öfters Lehrer gegen Schüler. Manchmal ging es so zur Sache, dass eine Lehrerin auch schon mal mit den Beinen in die Luft gestreckt auf dem Boden lag, da ein Schüler sie umgeworfen hat. Am Wochenende ging ich meistens in die Stadt Kisumu, um ins Internet zu kommen, mit dem Motorrad ging es wieder quer durch den Busch, an Kühen mit gefährlichen Hörnern vorbei, über eine Brücke, die kurz davor ist, zusammenzufallen, durch den Matsch, der einen fast umwirft und letzten Endes nur noch durch eine mit Schlaglöchern übersäte Straße. Doch die schöne Landschaft an den Seiten hat einen von den Schmerzen am Hinterteil abgelenkt.
Kisumu ist eine schöne Stadt genau am Victoriasee, und auch dort sind sie mit Weißen noch nicht ganz vertraut. Es gibt auch dort die Nzungupreise und die normalen Preise. Einmal stieg ich mit einem Mann in ein Matatu (kleines öffentliches Wägelchen) ein, wir wollten zum gleichen Ziel. Es kostete 100 Kenia-Schilling und beide gaben wir es dem Fahrer, doch er beschwerte sich sehr darüber, dass ich ihm nur 100 Kenia-Schilling geben, es seien 300 Kenia-Schilling, die ich für die Fahrt zahlen muss. Ich beschwerte mich genauso, und er war kurz davor, mich aus dem Wagen zu schmeißen, als die anderen Fahrgäste sich noch einmischten und mir halfen. Doch so ist es üblich in Kenya. Alle denken, Weiße hätten viel Geld und dementsprechend muss man über jede noch so kleine Geldangelegenheit verhandeln.
Zum Schluss: Ich bin jetzt schon wieder seit ein paar Tagen daheim und muss sagen, dass sich das Jahr echt gelohnt hat. Man hat unheimliche viele Erlebnisse gehabt und dadurch unglaubliche Erfahrungen gesammelt. Ich würde es jederzeit wieder machen.